Was unsere Wünsche uns wirklich sagen wollen – ein Blick aus Sicht der TCM
Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) passt dieses Thema wunderbar in die aktuelle Jahreszeit.
Der Sommer wird dem Element Feuer zugeordnet. Es ist die Zeit von Wachstum, Begegnung, Lebensfreude und Offenheit. Die Energie der Natur bewegt sich nach aussen. Pflanzen stehen in voller Blüte, die Tage sind lang und das Leben findet vermehrt draussen statt.
Dem Feuer-Element sind insbesondere Herz und Dünndarm zugeordnet. Das Herz nimmt in der TCM eine besondere Stellung ein. Es wird als „Kaiser“ aller Organe bezeichnet und beherbergt den Shen, unseren Geist, unser Bewusstsein und unsere emotionale Ausgeglichenheit.
Ist das Herz gut genährt und in Balance, fühlen wir uns verbunden, klar, lebendig und innerlich ruhig. Wir können Freude empfinden, Entscheidungen treffen und gleichzeitig mit uns selbst in Kontakt bleiben.
Doch genau hier zeigt sich bei vielen Menschen eine Herausforderung unserer Zeit.
Wenn das Herz keine Ruhe mehr findet
Viele Menschen leben dauerhaft in einem Zustand innerer Anspannung. Termine, Verantwortung, ständige Erreichbarkeit und ein voller Alltag führen dazu, dass die Energie ständig nach aussen gerichtet ist.
In der TCM sprechen wir dann häufig von einer Unruhe des Shen.
Typische Anzeichen können sein:
• Schwierigkeiten abzuschalten
• Grübeln und Gedankenkreisen
• unruhiger Schlaf
• innere Nervosität
• Erschöpfung trotz ausreichender Schlafdauer
• Konzentrationsschwierigkeiten
• das Gefühl, nie wirklich zur Ruhe zu kommen
Interessanterweise entstehen gerade in solchen Phasen oft besonders viele Wünsche.
Wir sehnen uns nach Ferien, nach einem anderen Leben, nach mehr Leichtigkeit oder danach, einfach einmal nichts zu müssen.
Aus TCM-Sicht können diese Wünsche Hinweise darauf sein, dass unser Herz und unser Geist (Shen) nach mehr Nahrung, Ruhe und Ausgleich verlangen.
Wünsche als Botschaften des Körpers
In der westlichen Psychologie sprechen wir von Bedürfnissen. In der TCM würden wir zusätzlich sagen, dass Körper, Geist und Seele immer versuchen, uns zurück in ein Gleichgewicht zu führen.
Wenn wir längere Zeit über unsere Grenzen gehen, sendet der Organismus Signale.
Manchmal sind diese körperlich:
• Müdigkeit
• Verdauungsbeschwerden
• Verspannungen
• Erschöpfung
Manchmal zeigen sie sich emotional:
• Reizbarkeit
• Ungeduld
• Frustration
• das Gefühl von innerer Leere
Und manchmal äussern sie sich eben als Sehnsucht oder Wunsch.
Der Wunsch wird dadurch zu einer Art innerem Kompass. Er macht uns auf etwas aufmerksam, das in unserem Leben mehr Raum bekommen möchte.
Die Sommerenergie bewusst nutzen
Der Sommer lädt uns ein, das Herz zu nähren.
Nicht durch noch mehr Aktivität, sondern durch Momente echter Freude und Verbundenheit.
In der TCM müssen dies keine grossen Veränderungen sein.
Herz-Qi wird oft durch ganz einfache Dinge gestärkt:
• ein gutes Gespräch mit einem lieben Menschen
• gemeinsames Lachen
• Zeit in der Natur
• bewusstes Geniessen einer Mahlzeit
• Kreativität
• Musik
• Dankbarkeit
• kleine Momente von Stille
Besonders wertvoll sind Tätigkeiten, die uns aus dem ständigen Funktionieren herausführen und wieder in einen lebendigen Kontakt mit uns selbst bringen.
Eine kleine Sommerfrage für dich
Vielleicht magst du dir in den nächsten Tagen folgende Frage stellen:
Welcher Wunsch beschäftigt mich im Moment am meisten?
Und dann:
Welches Bedürfnis meines Herzens möchte durch diesen Wunsch gesehen werden?
Vielleicht ist es Ruhe.
Vielleicht Verbundenheit.
Vielleicht Sicherheit.
Vielleicht Freude.
Vielleicht das Bedürfnis, einfach einmal wieder bei dir selbst anzukommen.
Wenn wir beginnen, hinter unsere Wünsche zu schauen, entdecken wir oft etwas sehr Wertvolles: einen Teil von uns, der schon lange darauf wartet, wahrgenommen zu werden.
Genau dort beginnt häufig echte Heilung – nicht durch noch mehr Leistung, sondern durch mehr Bewusstheit und Mitgefühl für uns selbst.